Bericht: Abendveranstaltung Antifeminismus – ein Thema in Lichtenberg?

Leicht abgeänderte Version des Berichts für den Lichtenberger Frauen*Newsletter im Dezember 2021

Die Gastgeber*innen der Abendveranstaltung am 28. Oktober 2021 im interkulturellen Begegnungszentrum „aufatmen“ waren die Berliner und das Lichtenberger Register. Seit 2021 dokumentieren sie neben extrem rechten und diskriminierenden Meldungen auch Vorfälle der Kategorie „organisierter „Antifeminismus“ in allen Berliner Bezirken. Antifeminismus definieren sie als eine Gegnerschaft zu feministischen Emanzipationsbestrebungen. Er richte sich beispielsweise gegen die Anerkennung und Achtung der gleichen Menschenwürde der Geschlechter oder die Verwirklichung der geschlechtlichen Gleichstellung in allen Lebensbereichen.

Die Wissenschaftlerin Juliane Lang führte in ihrem Vortrag aus, dass Antifeminismus so alt ist, wie feministische Forderungen selbst, um die bis heute gestritten wird und werden muss. Gleichzeitig machte sie damit deutlich, dass sich Antifeminismus wandelt und dabei quasi auf die unterschiedlichen Forderungen und Debatten reagiert, für die Feminist*innen einstehen. Der organisierte Antifeminismus ist dabei kein einheitliches Projekt, sondern wird von extrem rechten Gruppen ebenso vorgebracht wie von fundamentalistischen Christ*innen oder konservativen Einzelpersonen.

„Wir möchten die Debatten honorieren, die Antifeminismus als wichtigen Bestandteil extrem rechter Denkweisen und Handlungen identifizieren. Antifeminismus als Ideologie ist sehr deutlich Teil extrem rechter Attentate in den letzten Jahren gewesen“ betonte Sabrina Apicella vom Lichtenberger Register in ihrem Beitrag. In den antifeministischen Vorfällen, die den Registern bislang gemeldet wurden, überwiegt Propaganda extrem rechter Akteure wie der NPD oder Neonazi-Onlineversänden, die sich gegen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt positionieren. Auch sogenannte Shitstorms in Social Media Netzwerken wurden bekannt. Sie treffen häufig Politikerinnen und nicht ihre männlichen Kollegen.

Um von ihren queer-feministischen Politiken und ihren Erfahrungen im Umgang mit Bedrohungen zu berichten waren die Lichtenberger Politikerinnen Jette Nietzard (Bündnis 90/Die Grünen) und Claudia Engelmann (Die Linke) eingeladen. Jette Nietzard betonte, dass sich politisches Engagement für feministische Themen wie das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche lohnt. Sie gibt aber zu bedenken, dass die Bedrohungssituationen, die sie durch ihre öffentliche Sichtbarkeit erfahren hat, belastend sind. Sie schilderte aber auch, dass man sich darauf vorbereiten könne, z.B. durch gemeinsame Sicherheitsvorkehrungen und Absprachen mit anderen Aktiven. Claudia Engelmann präsentierte sich als Politikquereinsteigerin, die für ihre Sicht auf Themen für Frauen und Lesben streitet. Aktuell könne sie ihre Expertise in den Koalitionsverhandlungen zur Frauen- und Queerpolitik im Berliner Abgeordnetenhaus einbringen. Mit dem Schritt in die Politik und Öffentlichkeit begannen auch bei ihr Bedrohungen gegen sie selbst, aber auch gegen ihre Familie. Mit der Vehemenz dieser Bedrohungen hatte sie nicht gerechnet, rief aber dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen, sich mit betroffenen Frauen zu solidarisieren und für die eigenen politischen Überzeugungen zu kämpfen. Die Diskussion im Publikum wurde engagiert geführt und endete mit dem Aufruf politisch aktiv zu sein.

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