Urteil im Prozess um einen Angriff mit Todesfolge in Lichtenberg, März 2017

Am Montag, dem 27. März 2017, wurde der Filialleiter des Supermarktes im S-Bhf. Lichtenberg wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Schläge des Mannes gegen einen Ladendieb ursächlich für dessen Tod waren. Er hatte sein Opfer am 17. September 2016 im Supermarkt festgesetzt und mit Quarzsandhandschuhen gezielt ins Gesicht geschlagen. Danach hatte er ihn aus dem Supermarkt geworfen. Drei Tage später war der Mann im Krankenhaus gestorben.
Nach der Tat hatte der Täter das Überwachungsvideo mit dem Angriff mit rassistischen und sozialchauvinistischen Kommentaren an seine Mitarbeiter geschickt.

Erst im Laufe des Prozesses wurde die rassistische Komponente der Tat bekannt und auch, dass es in dem Supermarkt bereits mehrfach zu Gewalt und Selbstjustiz gegenüber Ladendieben gekommen war. Die Staatanwaltschaft und der Richter verurteilten einhellig die rassistischen Kommentare. Der Staatsanwalt nannte die Kommentare ein "menschenverachtendes, zynisches und ausländerfeindliches Verhalten“.

Damit ist Eugenius B. der letzte Tote, der in Berlin durch rassistisch motivierte Gewalt zu verzeichnen ist. Im September 2015 wurde der Brite Luke Holland von einem Neonazi in Neukölln erschossen. Im Fall des im April 2012 ebenfalls in Neukölln erschossenen Burak Bektaş mahnt die Familie des Toten die stärkere Einbeziehung eines möglichen rassistischen Motivs an.