Das Lichtenberger Register

Seit 2005 existiert das Register im Bezirk Lichtenberg. Es wurde als zweites Register nach dem Pankower etabliert und ist bei der Netzwerkstelle Licht-Blicke angesiedelt. Das Register wird aus bezirklichen Mitteln finanziert und erstellt einen monatlichen Überblick über die neonazistischen Vorkommnisse im Bezirk. Die Zahlen werden am Ende des Jahres in einer Auswertung zusammengefasst.

Da Lichtenberg seit den 1990er Jahren als Schwerpunkt neonazistischer Organisierung wahrgenommen wird und tatsächlich auch über eine aktive Neonaziszene verfügt, hat das Register vor allem die Aufgabe zu erfüllen, örtliche Schwerpunkte festzustellen, Treffpunkte und Gruppierungen öffentlich zu machen und dem Bezirk so Handlungsoptionen zur Verfügung zu stellen.
Gestiegene Register-Einträge und die alarmierenden Wahlergebnisse für die NPD in Hohenschönhausen führten dort zu einem Eingreifen des Bezirks und zur Einrichtung eines Lokalen Aktionsplans für den Bezirksteil im Jahr 2010. Die kontinuierliche Beobachtung neonazistischer Treffpunkte, wie zum Beispiel aktuell in der Lückstraße 58, gibt zivilgesellschaftlichen Akteur_innen, aber auch Vermieter_innen das Rüstzeug in die Hand, mit dem sie gegen die Neonazis vorgehen können.
Die Zahl der Vorfälle im Bezirk schwankte in den letzten fünf Jahren zwischen 100 und 150 Vorfällen. Zu einer überwiegenden Zahl handelte es sich dabei um Propagandadelikte, mit einem regionalen Schwerpunkt auf Lichtenberg Mitte. Zeitweise kam es zu regionalen Anstiegen in Hohenschönhausen Nord oder in Lichtenberg Süd, der organisatorische Schwerpunkt der lokalen Neonazis bleibt weiterhin der Weitlingkiez und seine Umgebung.
Darüber hinaus gibt es im Bezirk durchschnittlich monatlich 1-2 gewalttätige Übergriffe oder Bedrohungen und auch als Aufmarschort ist der Bezirk weiterhin beliebt. Im Jahr 2013 gab es allein bis Oktober zwei Aufmärsche und zwei Kundgebungen neonazistischer Organisationen im Bezirk. Die meisten dieser öffentlichen Aktionen wurden von Protesten der lokalen Zivilgesellschaft begleitet.